Auf in ein neues Leben!

Im Leben gibt es immer wieder Rückschläge und Enttäuschungen. Manchmal hat man eine ganze Weile das Gefühl, zum Teil über Jahre, dass das Leben eine einzige Enttäuschung ist und nichts so richtig funktioniert. Genau in diesem Augenblick ist es wichtig, sich klar zu machen, was man wirklich will. Man muss auch bereit sein, seinen Kurs um 180° zu ändern, wenn nötig.

Im letzten Jahr…

Die letzten Jahre meines Lebens sind an mir einfach so vorbei gerauscht.  In dieser Zeit hatte ich das Gefühl, dass es überwiegend schlecht war. Ich habe viele Dinge die ich getan oder nicht getan habe bereut.

Letztes Jahr habe ich mich oft gefragt, warum mein Leben so ist, wie es ist. Nur zu oft habe ich gelesen, dass man, sehr simpel ausgedrückt, immer das anzieht, was man auch denkt – also „ans Universum sendet“. In der Theorie habe ich auch daran geglaubt. Also stellte ich mir umso mehr die Frage: Wieso klappt es nicht? Ich war mir sicher, dass meine „Gedanken stimmen“ und ich „die richtigen Frequenzen aussende“.  Auch war ich mir mehr als sicher, dass ich alles in meiner Macht stehende tue, um das zu erreichen, was ich möchte.

Während sich meine Gedanken im Kreis drehten, brach ein Aspekt meines Lebens nach dem anderen zusammen. Die meisten meiner Verhältnisse zu anderen Menschen waren oberflächlich. Auf der Arbeit fühlte ich mich mehr als unterfordert. Die Religion, der ich von klein an angehört hatte, hatte mich bitter enttäuscht. Menschen, von denen ich geglaubt hatte, sie seien meine Freunde, hatten sich von mir abgewandt, zum Teil auch Familienangehörige.

Und dann geschah etwas Seltsames.

Eine seltsame Begegnung

 Es war Dienstagabend Ende Oktober. Mein Mann und ich wollten am Abend noch zusammen grillen, hatten aber nichts Passendes mehr zu Hause. Also bin ich noch kurz in den Laden gefahren, um ein paar Kleinigkeiten einzukaufen.

Bereits als ich den Laden betrat, fühlte ich mich mehr als seltsam. Ich hatte das Gefühl, ich sei auf einer Beerdigung. Ich ignorierte es und begann meinen Einkauf. In der Weinabteilung sah ich einen älteren Mann, der wirklich Schwierigkeiten zu Laufen hatten. Er war offensichtlich körperlich eingeschränkt. Seine Haut war blass und er zitterte. Ich habe ihn nicht zum ersten Mal dort gesehen, doch heute sah er deutlich schlechter aus als zuvor. Er suchte sich gerade einen Wein aus. Auch ich nahm meinen Wein. Unsere Blicke trafen sich kurz. Es schockierte mich: Sein Blick war selig und glücklich. Als würde er mir sagen wollen: Nach heute Abend wird alles gut. Bisher kannte ich ihn nur mit einem angepissten, grantigen Gesichtsausdruck.

Ein Gefühl der Verwesung machte sich in mir breit, weshalb ich zusah, dass ich Land gewann. An der Kasse sah ich ihn dann wieder. Es war mir ein absolutes Rätsel, warum er nun sogar vor mir an der Kasse war. Sein Einkauf war bescheiden: Er bestand aus einem kleinen Stück Schimmelkäse, einem kleinen Stück Bauchspeck und trockenem Rotwein.

Wie sich beim Bezahlvorgang herausstellte, fehlten ihm etwa 3 Euro um all das zu bezahlen. Obwohl ich mich krank und schlecht in seiner Nähe fühlte, packte mich Mitleid. Dieses Essen. Dieser Mann. Das Alter. Das Zittern. Das leicht entstellte Gesicht. Ich konnte nicht anders. Ich zahlte das nach, was noch fehlte. Das Rückgeld ließ ich ihn behalten.

Der Mann strahlte mich überglücklich an. Als hätte ich ihm erneut das Leben geschenkt. Er beugte sich zu mir vor, streckte mir seine Hand entgegen und ich nahm die seine. Er schüttelte sie und bedankte sich mehrere Male bei mir. Ich hatte keine Ahnung, wie ich darauf reagieren sollte. Seine Berührung verstörte mich. Kennt ihr das Gefühl, wenn man erkältet ist oder bei einer Grippe, wenn man glaubt, man würde glühen und von innen heraus einen Druck spürt, sich schlapp und schlecht fühlt, ohne genau sagen zu können, was einem fehlt? Genau so habe ich mich im Augenblick der Berührung gefühlt.

Er verließ den Laden mit seinen Einkäufen. Von der Kassiererin erfuhr ich, dass er sehr krank ist und im Behindertenheim lebt. Er sei aber normalerweise nicht so wie heute, sondern vom Verhalten her vollkommen normal und das er nicht genug Geld dabei hat, sei noch nie vorgekommen.

Auf dem Weg nach draußen, über den Parkplatz zu meinem Auto, habe ich noch einmal Ausschau nach ihm gehalten. Ich konnte ihn nirgendwo mehr erblicken. Verstört machte ich mich auf den Weg nach Hause.

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